Unterwegs in Mexiko

San Juan Chamula
Dorf der Tzotzil bei San Cristóbal de Las Casas

 

San Juan Chamula befindet sich etwa zehn Kilometer nordwestlich von San Cristóbal de Las Casas (Bundesstaat Chiapas) und ist das  größte Dorf der Tzotzil, die zur Maya-Sprachfamilie gehören.

Vor hundert Jahren war hier, wie alte Fotos zeigen, kaum mehr als die Dorfkirche vorhanden. Inzwischen gibt es einen von Gebäuden eingefassten Marktplatz, der sich direkt an den Kirchhof anschließt sowie eine Reihe von Nebenstraßen, so dass das Dorf inzwischen einen eher kleinstädtischen Charakter vermittelt.

Im Ort selbst und direkt angrenzend sollen 15.000 Tzotzil leben. Die Gesamtzahl der in der Umgebung wohnenden Menschen wird in den Quellen zwischen 40.000 und 90.000 recht unterschiedlich angegeben

Man lebt von Landwirtschaft und Kunsthandwerk. Die Tzotziles bauen Mais, Bohnen, Kürbis und andere Produkte an und züchten Schweine, Geflügel, Kaninchen und vor allem Schafe, weil sie deren Wolle für die Bekleidung und das Kunsthandwerk benötigen. Rinder besitzen sie nur wenige.

Die Chamula-Tzotzil verwalten sich selbst in einer Dualität traditioneller und konstitutioneller Ämter. Letztere können auch von Frauen ausgeübt werden. Nach einem Verteilerschlüssel werden alle Gemeinden der Chamula auf diese Weise vertreten.

Wichtigstes traditionelles Fest ist der Karneval, der über fünf Tage (die fünf "zusätzlichen Tage" des Mayakalenders) gefeiert wird. Er bildet eine Mischung aus christlichen und heidnischen Traditionen. In symbolischer Weise wird die in Unordnung geratene Welt wieder zurechtgerückt und ins Gleichgewicht gebracht. Spektakulärer Abschluss des Festes ist es, wenn die traditionellen Würdenträger barfuß über brennende Holzscheite laufen, und sich auf diese Weise eine "Reinigung" unterziehen. Mit dem Fotoapparat sollte der Besucher sensibel umgehen, falls er mehr oder weniger zufällig Zeuge einer solchen religiösen Veranstaltung wird.

Für einen Besuch von San Juan Chamula bietet sich der Sonntag Vormittag an, da dann Markt stattfindet und der einzelne Besucher nicht so stark im Fokus der Verkäufer von Andenken und Kunsthandwerk steht.

Verfügt man über einen Leihwagen, kann man von San Cristóbal de Las Casas über eine gut ausgebaute Straße nach Chamula fahren, andernfalls bieten auch Reisebüros Ausflüge an und es gibt einen öffentlichen Bus.

Hauptsehenswürdigkeit in Chamula ist die Dorfkirche San Juán Bautista. Man muss in einem Büro des am Platz befindlichen Rathauses Eintrittskarten (im Jahr 2010: 20 N$ je Person) erwerben und darf dann die ungewöhnliche Kirche besichtigen. Die heutige Kirche stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und wurde nach einem Brand des Vorgängerbaues errichtet

Die Kirche ist mit Reisig ausgelegt, dazwischen brennen auf dem Steinfußboden oder auf kleinen Tischen, die an den seitlichen Wänden stehen, unzählige Kerzen. An den Seiten stehen auch zahlreiche Schränkchen oder Vitrinen mit Heiligenstatuetten. Links findet sich das hölzerne Gerähm für ein großes Altarbild, jedoch fehlen darin die Bilder. Im eigentlichen Altar finden sich ebenfalls keine Bilder. Wahrscheinlich erfolgt erst eine Ausschmückung im Zusammenhang mit bestimmten religiösen Veranstaltungen.

Der unmittelbar hinter dem Eingang befindliche Bereich ist von Reisig freigehalten. Hier darf man sich als Besucher aufhalten und sollte nur zum Gebet weiter nach vorn gehen. Das Fotografieren ist in der Kirche grundsätzlich verboten, doch finden sich im Internet einige Bilder..


Fotos und Text: Rudolf Oeser
Textquellen:

(Führer San Juan Chamula o.J.)
(Stefan Loose Reiseführer Mexiko 2009: 683)
(Baedeker Reiseführer Mexiko 2008: 525)
(Javaanse Jongens Reiseführer Mexiko 1998: 317)

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