In den Mayaruinen von Balamkú
    (Campeche, Mexiko)

 

Die Archäologische Zone Balamkú - ein Überblick

Die Stätte wurde 1990 von Mitarbeitern des INAH zufällig entdeckt, doch war sie vorher schon von Dieben aufgesucht und demoliert worden. Nach dem Fund eines etwa 17 m langen Frieses im Innern eines der Bauwerke erhielt die Stätte den Namen Balamkú ("Jaguar-Tempel").

Sie umfasst etwa einen Quadratkilometer und gliedert sich in drei Gruppen von Bauwerken, die Nord-, Süd- und Zentralgruppe, doch sind bisher nur die beiden letzteren untersucht, ausgegraben und teilweise rekonstruiert worden.

Die Südgruppe

Die Südgruppe ist die kleinste der drei Gruppen und gruppiert sich um vier Plazas. Das Hauptbauwerk besteht aus eine pyramidenförmigen, etwa 10 m hohen Erhebung mit Treppe. Auf der oberen Plattform befindet sich ein Tempel, der an seiner Fassade zwei stuckgefüllte Vertiefungen aufweist, die man für die Augen einer zoomorphen Maske hält.

Die drei baulichen Strukturen der nördlichen Plaza innerhalb der Südgruppe datiert man in die spätklassische Zeit. Sie zeigen vor allem typische Rio Bec-Merkmale. Es scheint hier große Monstermasken mit Stuckoberflächen gegeben zu haben.

Die Zentralgruppe 

Die Zentralgruppe umfasst zwei Plazas. Struktur I erhebt sich auf einem der Plätze und besteht aus den drei pyramidenförmigen Plattformen: I-A, I-B und I-C. Zwei der Plattformen sind gleich groß, die südliche  ist größer.

Struktur IA war das wohl bedeutendste Gebäude der gesamten Stätte und wird heute von einem 160 m² großen Schutzdach überdeckt. Sie besteht aus vier Stufen mit abgerundeten Ecken und einem dreitorigen kleinen Gebäude, das nach Süden ausgerichtet ist. Ein Treppenaufgang führt zu diesem Palast hoch. Diese Treppe wird von großen Paneelen, die wohl eine Dreierserie bildeten, flankiert. Das zentrale Paneel zeigte zoomorphe Masken in Hochprofil, während die seitlichen Flächen in Stuck ausgebildet waren.

Den Beginn einer ersten Bauphase kann man bis in die späte Präklassik (500 v.u.Z. - 250 u.Z.) zurückdatieren, doch wurde die Baustruktur während des Übergangs zur Frühklassik verfüllt und überbaut.

Diese zweite Bauphase umfasste die Errichtung von Struktur I-B, dessen Gebäude durch die Vergrößerung der Struktur IA später vollständig zerstört wurde.

In der dritten Bauphase, etwa 600 u.Z., d.h. in der genannten frühklassischen Zeit, wurden bemerkenswerte Vorhaben realisiert. Die Plaza wurde eingeebnet und ein neues Gebäude konstruiert, das in der Tradition der zentralen Maya-Region stand. Diese Konstruktion bestand aus einer etwa 1-1,5 m hohen Basisplattform mit abgerundeten Ecken und eingezogener Treppe. Darauf wurde ein dickwandigen Gebäude mit nur kleinen Innenräumen errichtet. An diesem Gebäude, das drei Eingangsöffnungen aufweist, befinden sich Reste eines der bedeutendsten Stuckfriese, die im Mayagebiet gefunden wurden. Nach Motiven dieses Frieses wurden das Gebäude sowie die gesamte Stätte mit der Mayabezeichnung "Balamkú" – spanisch "Templo del jaguar" – deutsch "Jaguartempel" benannt.

Der Stuckfries 

Der 16.,80 m lange und 1,75 m hohe, in Schattierungen von Rot, Orange und einem Hauch von Schwarz bemalte Fries besteht aus vier kosmologischen Szenen, die von Jaguardarstellungen, die sich direkt über den Gebäudeeingängen befinden, gegliedert werden.

Der untere Bereich des Dachniveaus symbolisiert die Erdoberfläche und trennt die Unterwelt von der Welt der Lebenden. Auf einem Wasserband bauen sich die vier ähnlichen Szenen auf. Basis jeder Szene, deren linke leider fast völlig zerstört ist, bildet jeweils die Maske des Erdmonsters. Auf der von links zweiten Erdmonstermaske sitzt eine Kröte, auf den beiden rechten Masken jeweils ein Krokodil. Diese Reptilien stellen ebenfalls Erdmonster dar, denn in vielen Bildwerken, von der Zeit von Izapa bis in die Kolonialzeit hinein, wird die Erde durch eine Echse oder ein Krokodil symbolisiert. Häufig wird auch der Todesgott (Ah Puch, Gott A) mit der Erdgottheit identifiziert.

Die Köpfe der Kröte und der Krokodile sind nach hinten geneigt und aus jedem der geöffneten Mäuler steigt der auf einen Kissen aus Jaguarfell sitzende Herrscher empor. Das Königtum wird hier in kosmischer Beziehung dargestellt: Die Thronbesteigung wird als Neugeburt des Königs aus dem Erdinnern heraus angesehen, vergleichbar mit dem täglichen Sonnenaufgang. Da es sich um (ursprünglich) vier Szenen handelt, liegt eine Verbindung zu den vier "Eckpunkten" des Maya-Kosmos nahe, die durch so genannte Cauac-Monster dargestellt werden.

Anscheinend wurde das Gebäude mit dem Fries etwa 30-40 Jahre genutzt, dann innen verfüllt und in einer vierten Bauphase überbaut.

Letzte Bauaktivitäten

Die fünfte Bauphase zeigt Veränderungen in den Strukturen I-A und I-C. Die Lücke zwischen beiden Strukturen wurde  geschlossen und dazwischen das Pyramidenfundament I-B gebaut.

Schließlich gab es noch eine Menge kleiner Veränderungen in der späten Siedlungsphase, als Balamkú kein urbanes Zentrum mehr war. Gegen Ende der Spätklassik (800-1000 u.Z.) wurde Balamkú schließlich verlassen.


Am Eingang zur Archäologische Zone Balamkú.


Informationstafel am Eingang zur Archäologischen Zone..


Übersichtsplan der Archäologischen Zone Balamkú:
1 - Aguada (Wasserreservoir)
2 - Zentralgruppe (der Pfeil weist auf den Fries hin)
3 - Südgruppe (hinter dem Eingang)

Die Südgruppe:


Zur Südgruppe gehören zahlreiche niedrige Plattformen und Gebäudereste.


Hauptgebäude (vermutlich ein Tempel) in der Südgruppe.


Restaurierte Fassade des Hauptgebäudes des Südgruppe.


Auf der oberen Plattform befindliches Bauwerk.


Teile des "Mayagewölbes" sind erhalten geblieben.


Das Gebäude von rechts.


Blick von der oberen Plattform nach unten.


Blick von der oberen Plattform nach unten.


Blick von der oberen Plattform nach unten.


Gebäuderest in der Südgruppe


Rest einer Wohnanlage in der Südgruppe. Die Sitz- bzw. Liegebänke sind gut zu erkennen.


Wohnanlage in der Südgruppe.


Fassadenschmuck an einem Gebäude in der Südgruppe.


Gebäudereste in der Südgruppe.

Die Zentralgruppe:


Zugang zur Zentralgruppe mit den links davon befindlichen Gebäuden.


Zugang zur Zentralgruppe mit den rechts davon befindlichen Gebäuden.


Innenansicht des Zugangs zur Zentralgruppe.


Verfallene Gebäude links vom Eingang zur Zentralgruppe (von Innen gesehen).


Blick auf die rechte Seite des Gebäudes mit dem Stuckfries.


Im Innern des links befindlichen Gebäudeteils befindet sich der Stuckfries.


Eingang zum Raum mit dem Stuckfries.

Der Stuckfries:


Blick in den schmalen Raum, in dem sich der Stuckfries befindet.


Von der linken Szene ist nur noch dieses Fragment erhalten geblieben.


Das zweite Erdmonster von links (Fotomontage).


Dieser Jaguar sitzt zwischen zweitem und drittem Erdmonster.


Das dritte Erdmonster (Fotomontage).


Jaguardarstellung zwischen drittem und viertem Erdmonster.


Das vierte, rechts befindliche Erdmonster mit seinem "Überbau" ist nur noch
teilweise erhalten geblieben.


Darstellung eines Erdmonsters aus Stein im Außenbereich.


Fotos und Text: Rudolf Oeser

Textquellen u.a.:
Arellano Hernandez u.a.: Maya. Die klassische Periode. Hirmer Verlag, München, 1998
Baudez, Claude-François:  La Casa de los Cuatro Reyes de Balamkú. In: Arqueologia mexicana,
        No. 18. Mayas de Campeche (marzo-abril, 1996) pp. 36-41.
Carrasco, Ramón: La casa del Jaguar; Mundo Maya No. 22
Romero Blanco, Karina; Nondédéo, Philippe: Balamkú, Campeche (Miniguide, INAH, 2003)
Reihe Du Mont Visuell: Mittelamerika. Stätten der Maya. DuMont Buchverlag Köln, 1995

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