Archäologische Zone am Golf von Mexiko im Bundesstaat Veracruz

Die archäologische Zone von Cempoala

Die Anfänge von Cempoala lassen sich auf die Zeit um 1200 datieren. Damals lebten in der Region die Totonaken von Landwirtschaft, Sammeln, Jagd und dem Fischfang im Río Actopán und seinen Zuflüssen. Cempoala war der Hauptort, der Totonaken, hier residierte ihr wichtigster Fürst.

Etwa um 1480 oder etwas später wurden die Totonaken von den Azteken unterworfen und tributpflichtig gemacht. Um sich von der Unterdrückung durch die Azteken zu befreien, waren sie 1519 rasch bereit, die von Hernán Cortez geführten spanischen Konquistadoren zu unterstützen.

Es war eine für die Totonaken wenig glückliche, wenn gleich alternativlose Allianz. Ihren Göttern erwies Cortez wenig Respekt und richtete, nachdem er die Anwohner mit demonstrativen Kanonenschüssen beeindruckt hatte, auf dem Haupttempel eine provisorische christliche Kapelle ein.

1520 fand in im Gebiet von Cempoala dann ein Gefecht zwischen Spaniern statt, nachdem sich Panfilo de Narváez mit einigen hundert Spaniern hier eingerichtet hatte, um gegen den eigenmächtig vorgedrungenen Cortez vorzugehen. Cortez hielt sich gerade in Mexiko-Tenochtitlan auf, eilte mit einigen Getreuen nach Cempoala und nahm Narváez nach einem kurzen Gefecht gefangen. Die Männer des Narváez zeigten wenig Interesse, ernsthaft gegen Cortez zu kämpfen und waren gern bereit sich diesem in Aussicht auf zu gewinnende Reichtümer anzuschließen.

Es heißt, dass sich unter den Männern des Narváez ein schwarzer Sklave befand,m der an Pocken erkrankt war, so dass sich die tödliche Krankheit von Cempoala aus übe weite Teile Mexikos verbreitete.  Die Ursachen und Wege der Ausbreitung der Seuche werden von den Forschern heute allerdings kontrovers diskutiert.

Die Eigenständigkeit der Totonaken ging in den Folgejahren rasch verloren. 1528 richteten zwei Spanier, Rodrigo de Albornoz und Pedro Moreno, die ersten Zuckerraffinerien ein, während Seuchen die indianische Bevölkerung dezimierten. Die letzten in der Umgebung von Cempoala lebenden Totonaken wurden 1660 von Vizekönig Gaspar de Zúñiga nach Jalapa umgesiedelt. Die Stadt Cempoala geriet in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert erforscht und für den Tourismus neu belebt.

Die archäologische Zone von Cempoala befindet sich am Rand des Dorfes Zempoala etwa 50 km nördlich von Veracruz. Es befindet sich hier ein kleines Museum, in dem lokale Kleinfunde, aber auch einige hübsche Keramiken ausgestellt werden.

Im Museum

Die zentrale Zone wird von einer teilweise wiederaufgebauten Mauer mit Stufenzinnen, wie sie für Cempoala typisch sind, eingefasst. Darin befinden sich die wichtigsten baulichen Strukturen und einige größere Freiflächen. Die genaue funktionelle Zuordnung der Strukturen ist kaum möglich. Man kann die Haupttempel und die so genannten Große Pyramide anhand ihrer Größe und Anordnung identifizieren. Es findet sich hier auch eine mehrstufige Plattform, die einem Rundbau vorgelagert ist und vermutlich dem Windgott geweiht war.

Blick über den Haupthof

Vielleicht dem Windgott geweihte Plattform

Plattform

Typisch für Cempoala sind zwei kreisförmige niedrige Mauereinfassungen, die vielleicht als  Arenen oder Bühnen für religiöse Zeremonien gedient haben. Eine Verwendung für Regenwasserauffangbecken, wie auch vorgeschlagen wurde, scheint wenig überzeugend.

Kreisförmige Einfriedung

Mauer mit Stufenzinnen

An die Hauptgebäude sind abgewinkelte lange niedrige Plattformen angebaut, auf denen sich einst Gebäude befanden, in denen nach Meinung von Historikern seinerzeit die Konquistadoren untergebracht waren. Da die Größe der Plattformen jedoch für die Unterbringung von 500 Bewaffneten mit all ihren Utensilien ausgereicht haben sollen, scheint jedoch fraglich.

Lange niedrige Plattform

Die Gebäude sind heute nur noch in den unteren Bereichen mit Resten von originalem Verputz zu sehen. Alle anderen Fassaden und Treppenaufgänge, soweit erhalten, zeigen die rundgeschliffenen Flusskies, aus dem sie ursprünglich gemauert worden waren. Die heutige schwarz-graue Erscheinung der Bauwerke entspricht nicht dem ursprünglichen Bild, da die Gebäude verputzt und geweißt waren. Einer der ersten Spanier, die Cempoala sahen und Cortez Bericht erstatteten, glaubte - zum späteren Gespött seiner Kameraden, die Wände seien aus reinem Silber gemacht. Die Dächer der Tempel waren mit vergänglichen Materialien wie Holz und Schilf eingedeckt.

Haupttempel

Ballspielplatz (?)

Touristen, die Cempoala besuchen wollen, werden meist mit dem Leihwagen dorthin fahren, obwohl es vermutlich auch die zeitaufwändige Möglichkeit der Fahrt mit öffentlichen Bussen gibt. Mit dem Auto fährt man von Veracruz aus über die gut ausgeschilderte Straße in Richtung Pozo Rica. Die Straße führt unmittelbar am Dorf Zempoala vorbei, wo Hinweisschilder zur archäologischen Zone führen.


Text und Fotos (2010): R. Oeser
siehe auch: Jaime Cortés Hernández, "Cempoala, Veracruz", Informationsfaltblatt des INAH, 1992

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