Die alte Hauptstadt der Tolteken nördlich von Mexiko

Tula (Tollán)

Übersichtsplan des zentralen Ruinenkomplexes


Die Ruinen des alten Tollán, am nördlichen Rand der heutigen Stadt Tula de Allende, etwa 85 km nördlich von Mexico Ciudad gelegen, gehören zu den berühmtesten Plätzen der mesoamerikanischen Kultur und Geschichte. Trotzdem wird der gelegentliche Besucher vom geringen Umfang und bescheiden rekonstruierten Zustand des historischen Zentrums möglicherweise eher enttäuscht sein.

An kaum einem anderen archäologischen Platz mischen sich Legende und Historie so verworren wie in Tula. Die Gegend war wohl von Otomí besiedelt, als zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert nahuatl-sprachige Chichimeken von Norden her einwanderten, etwa gleichzeitig eine wohl von der südlichen Golfküste stammende Bevölkerungsgruppe. Diese Mischbevölkerung, später als Tolteken bezeichnet, gründete vermutlich im 9. Jahrhundert das spätere Tula (Tollán) genannte Zentrum. ein Jahrhundert später soll hier ein gewisser Quetzalcóatl als König gelebt haben und vertrieben worden sein. Dessen Name "Federschlange" begegnet und in Gestalt der "gefiederten Schlange" in der Folgezeit häufig als kulturell und religiös prägendes Moment im gesamten mesoamerikanischen Raum.

Über die mythologischen und historischen Hintergründe der Macht von Tula ist viel geschrieben worden, doch nur wenig ist sicher bekannt. Archäologischer Befund und mündliche Überlieferung der mexikanischen Völker ergänzen und widersprechen sich.

Es gibt jedoch keinen Zweifel, dass Tula vor etwa 1000 Jahren ein wichtiges kulturelles und politisches Zentrum war, dessen Andenken bis zu den Azteken bewahrt wurde, die den Spaniern vom Glanz Tulas berichteten und die sich - historisch nicht ganz korrekt - als Nachfahren der geschätzten Tolteken ausgaben. Die Stadt Tula war jedoch schon im 12. Jahrhundert verlassen worden und in Vergessenheit geraten.

Im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, brachten erst die Ausgrabungen der 1940er Jahre unter Jorge R. Acosta die Erkenntnis, dass es sich bei  diesem Platz um das alte Tula der Tolteken handelte.

Die Ruinen markieren ein Stadtgebiet von etwa 12 km². Unzählige Hausfundamente geben den Archäologen spärliche Informationen über die Ausdehnung der Stätte, deren einstige Bewohnerzahl auf 30-60.000 Menschen geschätzt wurde.

Für den Besucher ist das eher kleine Kultzentrum sehenswert, das im wesentlichen aus 2 Pyramiden, einer palastähnlichen Anlage und zwei Ballspielplätzen besteht, die sich um einen Platz gruppieren, dessen südliche Begrenzung von bisher noch nicht untersuchten Hügeln gebildet wird, unter denen sich ebenfalls eine alte Bebauung verbirgt.
 

Blick auf die Morgenstern-Pyramide
 
Die "Atlanten" trugen einst ein Tempeldach
 
    Rückseite der "Atlanten"
 
Ein Stück der "Coatepantli", der "Schlangenmauer", befindet sich heute im Nationalmuseum in Mexico Ciudad
 
Die "Große Pyramide"
Die "Große Pyramide"
 
 
Blick von der Großen Pyramide über den zentralen Platz zum Ballspielplatz II Im Ballspielplatz II
   

Text und Fotos, 1998: R. Oeser

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