Präkolumbische Schätze in einer U-Bahn-Station in Mexiko-Stadt

Ein kleiner aztekischer Rundtempel

Die Vorbereitung der Olympischen Spiele des Jahres 1968 waren für die Stadtväter von Mexico D.F. ein guter Anlass, die mexikanische Metropole mit einem ausgezeichneten U-Bahnnetz, der Metro, wie man hier sagt, auszustatten. Seit 1966 wurden bei den Baumaßnahmen, die in Gemeinsamkeit mit Archäologen durchgeführt wurden, zahlreiche wertvolle Funde getätigt. 

Man kann heute für 1,5 Pesos, umgerechnet weniger als 40 Pfennige, diesen Untergrund der Stadt betreten und beliebige Strecken fahren sowie umsteigen. Insbesondere in der Hauptverkehrszeit ist das Gedränge in bestimmten Abschnitten des Metronetzes durchaus etwas unangenehm, aber überfüllte öffentliche Verkehrsmittel können einem in jeder europäischen Großstadt auch widerfahren. Bettler, die in einigen Teilen der Stadt in für uns Mitteleuropäer geradezu peinlicher Zahl auftreten, findet man hier kaum. Aber es gibt einige junge Leute, wohl Studenten, die in den Bahnen (schwarz gebrannte) Musik-CD, Kalender, Pfefferminzbonbons u.ä. Kleinartikel verkaufen. Zwei arg körperbehinderten Musikanten haben wir gern eine Kleinigkeit gegeben. Überdies ist die mexikanische Metro bemerkenswert sauber und geradezu kulturvoll. 

Letzteres trifft zumindest auf einige der Stationen zu. So kann man sich zum Beispiel anhand von Vitrinen in der Station am Zócalo, dem Hauptplatz der Stadt, eigentlich Plaza de la Constitución, über die Geschichte und die Baukunst dieses geschichtsträchtigen Platzes informieren. 

Interessant ist auch die Metro-Station Bellas Artes, hinter dem Palast der Schönen Künste gelegen. Hier befinden sich etliche steinerne Monumente, die die Handwerkskunst der präkolumbischen Hochkulturen Mexikos einschließlich des Mayagebietes dokumentieren. Es gibt hier auch Reproduktionen von Maya-Wandgemälden zu sehen. 

Die Station Pino Suárez, etwa 600 Meter südlich des Zócalo gelegen, kann mit etwas ganz Besonderem aufwarten: Hier wurde bei den Baumaßnahmen eine zwar kleine, aber recht hübsche aztekische Rundpyramide gefunden und in die Gestaltung der Metrostation integriert. Der Tempel, schätzungsweise 4 Meter im Durchmesser und 2 Meter hoch, steht auf dem Niveau der U-Bahn, die hier sozusagen auf das ursprüngliche Straßenniveau der Azteken-Stadt Tenochtitlán gebaut wurde. Im Umkreis des kleinen Tempels wurde die Überdachung der Station ausgespart, so dass sich das Bauwerk sowohl in der U-Bahn als auch unter freiem Himmel befindet.

 

 


Text und Abbildungen: R. Oeser

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